Ocean Fleets Ltd. 1974/75

George Levantis

Das Placement von George Levantis auf den Containerschiffen der Ocean Fleets Ltd. kam durch die Vermittlung des Seafarers Education Service (SES) zustande. Der SES hatte bereits mehrere Male Künstler auf Schiffe der Ocean Fleets entsandt, die der Besatzung Mal- und Zeichenunterricht gaben. Allerdings unterschieden sich die Vorstellungen von der Rolle des Künstlers an Bord seitens der APG deutlich von denen des SES und Ocean Fleets: Während Erstere die Tätigkeiten während des Placements nicht im Vorhinein festlegen wollte, erwarteten Letztere, dass der Künstler wie üblich Kunstunterricht geben und damit der Langeweile der Besatzung während der langen Überfahrten entgegenwirken würde.

George Levantis, Ocean Fleets Ltd., 1975 © George Levantis.

Im Oktober 1974 schiffte Levantis, der selbst aus einer Seefahrerfamilie stammte, für eine zweimonatige Fahrt auf dem Containerschiff Tokyo Bay ein. Zwei weitere Fahrten an die Elfenbeinküste und nach Südostasien folgten.

Beeindruckt von der Weite des Himmels und des Meeres, die in starkem Kontrast zu der räumlichen Beschränktheit auf dem Schiff stand, dokumentierte er seine Erfahrungen und Beobachtungen in Zeichnungen, Tagebucheinträgen und Fotografien und begann schließlich, sie räumlich in die Installation Pieces of Sea Fall through the Stars (1976) zu übersetzen. An Bord des Schiffes sah sich Levantis immer wieder damit konfrontiert, seine eigene Position in Bezug zu der streng hierarchisch aufgebauten Struktur der Besatzung zu finden und zu vermitteln. Obgleich seine künstlerische Tätigkeit anfänglich auf Unverständnis stieß, gelang es ihm, ein Vertrauensverhältnis zu den Matrosen aufzubauen, indem er bei alltäglichen Aufgaben mithalf und die Abende an der Schiffsbar verbrachte. Auf der letzten Reise kam es jedoch zu ernsthaften Spannungen an Bord, als Levantis sich entgegen der Erwartung das Kapitäns und der an Bord befindlichen Passagiere weigerte, Kunstunterricht zu geben. Der Konflikt übertrug sich auf Levantis‘ Verhältnis zur restlichen Besatzung. Ein Repräsentant von Ocean Fleets sagte rückblickend, die Präsenz des Künstlers sei zwar positiv aufgenommen worden, habe aber keinen bleibenden Effekt auf das Unternehmen gehabt und merkte an: „Wenn wir einen Soziologen an Bord gewünscht hätten, hätten wir einen solchen angestellt.“