Barbara Steveni

I Am An Archive
Reihe dokumentierter Walks (2002 –)

Conversations Between Ourselves
Reihe dokumentierter Unterhaltungen (2013 –)

Barbara Steveni (ehemals Latham) war Gründungsmitglied der APG. Als Künstlerin, die selber mit Performances, Happenings und Assemblagen arbeitete, hatte sie Anteil an der konzeptuellen Verschiebung künstlerischer Praxis, wie sie die APG vorantrieb. Sie wurde zur treibenden Kraft in der Gruppe: Gemeinsam mit John Latham und anderen Künstler_innen stellte sie ein Kuratorium für die Organisation zusammen und setzte das APG-Konzept in die Praxis um.

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Podiumsdiskussion „Die Nutzung künstlerischen Potenzials für Regierungs- und Verwaltungsaufgaben“, Kunstverein Bonn, 1977 © Stadtarchiv Bonn, Fotografische Sammlung – Bestand Fritz Fischer

Steveni agierte mehr als zwei Jahrzehnte lang als Organisatorin der Gruppe und ihrer verschiedenen Aktivitäten. Sie hielt die Kontakte zu zahllosen Organisationen und Institutionen aufrecht und führte maßgeblich die Verhandlungen mit ihnen. Dabei setzte sie immer wieder die spezifischen Methoden der APG durch, wie etwa den Open Brief und die Bezahlung der Künstler_innen während der Placements. Gemeinsam mit anderen, oftmals weiblichen Kolleginnen baute sie die administrative Struktur der Gruppe auf und hielt sie am Laufen. Ihre Rolle als Künstlerin und Initiatorin der APG wurde dabei aufgrund von Bezeichnungen wie „ehrenamtliche Geschäftsführerin“ oder „Koordinatorin“, und nicht zuletzt durch die Bekanntheit ihres Ehemannes John Latham und seines Einflusses auf die konzeptuelle Sprache der APG unterbelichtet.

Seit 2002 verfolgt Steveni ihr Projekt I Am An Archive, in dem sie mittels Spaziergängen an Originalschauplätzen, sogenannten Walks, sowie mit Interviews ihre Rolle in der APG und in der Nachfolgeorganisation O+I nachzeichnet. Ziel des bis heute andauernden performativen Archivprojekts ist es, jüngere Künstler_innen und Theoretiker_innen mit der APG-Geschichte vertraut zu machen und gemeinsam das Vermächtnis und die Potenziale der Gruppe für die Gegenwart zu diskutieren.

Nach der APG-Ausstellung in dem Londoner Kunstraum Raven Row im Jahr 2012 wurde Steveni klar, wie unsichtbar Frauen in den damaligen künstlerischen Avantgarden und auch innerhalb der APG waren. Sie initiierte eine Reihe von Videointerviews, um den Stimmen dieser Frauen ebenso wie ihrer eigenen Stimme Raum zu geben. Bislang führte sie diese Conversations Between Ourselves mit Sarah Wedderburn (Riverside Studios), Julie Lawson (ICA), Anna Ridley (TV Produzentin), Felicity Sparrow (Circles), Laure Prouvost (Künstlerin), Deborah Brisley (APG), Jane Trowell (Platform), Jo Melvin (Kunsthistorikerin UAL/Studio International) und Carlyle Reedy (Künstlerin/O+I).

In der aktuellen Ausstellung ist eine Auswahl beider Projekte zu sehen.